Karies

Synonyme: Caries, Zahnfäule, Zahnfäulnis, Zahnkaries
Karies, Caries, Zahnfäule, Zahnfäulnis, Zahnkaries

Zahnkaries ist eine der häufigsten infektiösen Zahnerkrankungen in Industrienationen: nahezu jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens mindestens einmal davon betroffen. Karies entsteht, wenn die natürliche Mundflora aus dem Gleichgewicht gerät und sich zugunsten kariogener (=Karies verursachend) Mikroorganismen verschiebt. Ein komplexes Zusammenwirken von Bakterien und deren Verstoffwechslung bestimmter Nahrungsbestandteile führt schließlich zum Entstehen einer Karies (Einzelheiten siehe unter Ursachen).

Es existieren zwei Klassifikationsmöglichkeiten, nach denen der Zahnarzt die Karies unterteilt: zum einen nach deren Eindringtiefe, also dem Ausmaß der kariösen Läsion (= kariöser Schaden) und zum anderen nach der Lokalisation, sprich der Stelle, an dem die Karies auftritt.

Die Kariesunterteilung anhand der Eindringtiefe unterscheidet zwischen Schmelzkaries und Dentinkaries. Beide Kariesformen werden nochmals in je zwei Unterformen gegliedert. Befindet sich die Karies innerhalb des Zahnschmelzes, handelt es sich entweder um eine Caries initialis oder eine weiter fortgeschrittene Caries superficialis. Bei einem tiefergehenden Kariesbefall, bei dem bereits das Dentin (= Zahnbein) angegriffen wurde, spricht man von einer Caries media, einer Caries profunda oder einer Caries penetrans (Einzelheiten siehe unter Diagnose).

Lediglich im Stadium der Initialkaries kann die weitere Zerstörung der Zahnsubstanz ohne apparative Maßnahmen (Bohrer- oder Lasertechnik) aufgehalten werden und zwar in Form von Remineralisationsmaßnahmen (= Wiedereinlagerung von Mineralstoffen in den Zahnschmelz). Alle anderen Kariesstadien müssen apparativ gesäubert und mit geeigneten Füllmaterialen versorgt werden (Einzelheiten siehe unter Therapie).

Zusätzlich zur Eindringtiefe erfolgt eine Unterteilung der Karies anhand ihres Entstehungsortes: man spricht dann beispielsweise von Fissurenkaries, Approximalkaries, Zahnhalskaries, Wurzelkaries oder Glattflächenkaries. Bildet sich unter einer Füllung erneut eine kariöse Läsion, handelt es sich um ein Kariesrezidiv. Die Kariesentstehung im Bereich von Kronen- oder Füllungsrändern beschreibt der Zahnarzt als Sekundärkaries.

Zahnkaries ist heutzutage ein gravierendes Gesundheitsproblem, das aber durch eine gezielte und umfassende Kariesprophylaxe (= Kariesvorbeugung) effektiv bekämpft werden kann (Einzelheiten siehe unter Vorbeugung).

Karies: Inhaltsverzeichnis

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Ursachen Karies

Die natürliche Mundflora des Menschen umfasst die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die die Mundhöhle besiedeln. Diese natürliche Mikroorganismusgemeinschaft ist ein wichtiges Instrument der körpereigenen Abwehr und dient dem Schutz gegen Krankheitserreger, die sich in der Mundhöhle einnisten könnten. Zur Mundflora gehören aber auch pathogene Bakterien, das heißt solche, die das Potential besitzen, Krankheiten auszulösen. Bei der Entstehung von Zahnkaries spielt vor allem die Bakterienart „Streptoccocus mutans“ eine entscheidene Rolle.

Verschiedene Bakterienarten bilden, eingebettet in eine Grundsubstanz, die sie selbst produzieren, sogenannte Biofilme auf der Zahnoberfläche. Diese Biofilme werden vereinfachend auch als Zahnbelag oder Plaque bezeichnet. Bei unregelmäßiger und unzureichender Entfernung dieser Beläge können sich immer mehr Mikroorganismen anheften, der Biofilm wächst stetig und damit auch die Gefahr für Zahn- bzw. Zahnfleischerkrankungen.

Kariogene Bakterien benötigen für ihren Stoffwechsel als Energiequelle Kohlenhydrate. Beim Abbau dieser verschiedenen Zucker– und Stärkearten produzieren die Bakterien organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen, indem sie die Mineralstoffe die in der Zahnhartsubstanz eingelagert sind, herauslösen (= Demineralisation).

Im Gegensatz dazu können Mineralstoffe, die von außen zugeführt werden, zum Beispiel ebenfalls über die Nahrung, aber auch in Form von Zahncremes oder Mundspülungen, sich wieder in die Zahnhartsubstanz einlagern und diese festigen (= Remineralisation). Normalerweise halten sich bei zahngesunder Ernährung und guter Zahnpflege demineralisierende und remineralisierende Prozesse die Wage (Homöostase).

Treffen aber kohlenhydratreiche Ernährung und mangelnde Zahnpflege aufeinander, kommt es im Laufe der Zeit zu einer Verschiebung der Mundflora in Richtung der Säure bildenden und damit Karies verursachenden Bakterien. Zusätzlich können andere Faktoren wie ein verminderter Speichelfluss die Kariesentstehung begünstigen. Der Speichel dient nämlich zum einen dem Abtransport kariogener Nahrung aus der Mundhöhle (= Clearance), zum anderen aber auch der Neutralisierung schädlicher Säuren.

Symptome und Anzeichen

Die Symptomatik einer kariösen Läsion richtet sich vor allem nach ihrer Eindringtiefe. Die reine Schmelzkaries führt zwar zu weißlichen bis bräunlich-dunklen Verfärbungen der betroffenen Zähne, bereitet aber in der Regel noch keine Beschwerden.

Erst in weiter fortgeschrittenen Stadien, wenn die Karies das Dentin bzw. die Pulpa (= Zahnmark, fälschlicherweise umgangssprachlich „Zahnnerv“) erreicht (Dentinkaries), sind immer wieder auftretende oder anhaltende Zahnschmerzen ein deutlicher Warnhinweis. Auch eine gesteigerte Empfindlichkeit der Zähne gegenüber süßen, heißen oder kalten Speisen findet man als Begleiterscheinung kariöser Läsionen häufig.

Bildet sich erneut Karies unter einer Zahnfüllung oder in deren Randbereich, können Lockerung und Verlust der Füllung die Folge sein.

Diagnose

In der Regel erkennt der Zahnarzt eine offensichtliche kariöse Läsion auf den ersten Blick (visuelle Diagnose). Die Eindringtiefe kann mit Hilfe spezieller Sonden ermittelt werden. Darüber hinaus stehen verschiedene apparative Verfahren zur Karies-diagnostik zur Verfügung, die in den letzten Jahren die Früherkennung von Karies auch an schwer einsehbaren Stellen deutlich verbessern konnten: Beispiele hierfür sind die faseroptische Transillumination mit einer Kaltlichtsonde, die elektrische Widerstandsmessung, (Laser-)Fluoreszenzverfahren und die Röntgenuntersuchung.

Im Rahmen der Diagnosefindung ist es wichtig, das Ausmaß der kariösen Läsion zu bestimmen. Eine Karies beginnt zunächst mit Entkalkungen im Zahnschmelz (Demine-ralisation) bei noch intakter Schmelzoberfläche. Diese Entkalkungszonen sind als weiße, lichtundurchlässige Flecken (= Macula alba) auf der Zahnoberfläche zu erkennen. Durch Einlagerung von Farbpigmenten aus der Nahrung werden die Flecken häufig dunkel (= Macula fusca). Dieses Anfangsstadium einer kariösen Läsion bezeichnet man als Caries initialis. Schreitet die Karies weiter fort, kommen erste Defekte im Zahnschmelz hinzu. Diese bieten ideale Schlupfwinkel für Bakterien, der Zahnbelag kann an diesen Stellen nicht mehr richtig entfernt werden, so dass nachfolgende Säureangriffe zu einem weiteren Mineralverlust des Zahnschmelzes führen. In diesem Kariesstadium spricht man von einer Caries superficialis. Da diese noch auf den Zahnschmelz begrenzt ist, bereitet sie keine Schmerzen.

Bleibt die Karies weiter unerkannt, kommt es zum Einbruch in das Dentin. Aus einer Schmelzkaries ist somit eine Dentinkaries entstanden. Da Dentin wesentlich weicher als Zahnschmelz ist und zudem noch ein Netzwerk aus kleinen Kanälchen aufweist, kann sich die Karies unterhalb der Schmelz-Dentin-Grenze zügig in die Breite ausdehnen und den Schmelz quasi unterhöhlen (= unterminierender Charakter der Karies). Eine solche Caries media kann somit unter einer fast intakten Schmelzoberfläche eine erhebliche Ausdehnung annehmen und trotzdem nur als Zufallsbefund bei einer Routinekontrolle entdeckt werden, ohne vorher Beschwerden verursacht zu haben.

Hat die Dentinkaries bereits mehr als zwei Drittel des Dentins erweicht, so spricht man von einer Caries profunda. In diesem Stadium sind bereits große Teile des Zahnes von der Caries erfasst und es treten in der Regel sporadische bis dauerhaft anhaltende Schmerzen auf. Erreicht die Karies schließlich die Zahnpulpa, so entsteht eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Pulpencavum, dem Hohlraum, in dem sich die Pulpa befindet. Als Folge dieser Caries penetrans können Bakterien ungehindert ins Zahnmark eindringen und dort eine äußerst schmerzhafte Pulpitis (= Entzündung des Zahnmarks) verursachen, die unbehandelt zum Absterben der Pulpa führt. In diesem Fall ist eine Wurzelkanalbehandlung oder sogar die Zahnextraktion (= Entfernung des Zahns) notwendig.

Differentialdiagnose

Neben kariösen Veränderungen des Zahnschmelzes existiert noch eine Reihe von angeborenen oder erworbenen Schmelzdefekten, die in Aussehen und Farbgebung der Schmelzkaries ähneln (hereditäre/entwicklungsbedingte Schmelzhypoplasien und Schmelzhypomineralisationen). Diese sind aber im Vergleich zu kariösen Läsionen äußerst selten.

Therapie und Behandlung

Die Behandlung einer Karies richtet sich nach drei Faktoren, nämlich nach Ausmaß, Lokalisation und möglichen Beschwerden. Kariöse Läsionen führen in der Regel zu einem mehr oder weniger fortgeschrittenen irreversiblen Verlust von Zahnsubstanz. Lediglich die Initialkaries bildet hier eine Ausnahme, da zwar Entkalkungsherde im Zahn vorhanden sind, die Schmelzoberfläche aber noch intakt ist. Führt man dem Zahn in diesem Stadium ausreichend Mineralien, zumeist in Form von Fluoridgelen, zu, können sich diese in die Entkalkungsherde einlagern und den Zahn somit remineralisieren. Aussicht auf Erfolg haben solche intensiven Fluoridierungsmaßnahmen aber nur, wenn der Betroffene zusätzlich stärkere Kariesvorbeugung betreibt, zum Beispiel durch ein besseres und regelmäßigeres Zahnputzverhalten und zahngesunde Ernährung.

Bei allen anderen Kariesformen ist zunächst die gründliche mechanische Entfernung und Säuberung der kariösen Stellen erforderlich. Dies kann entweder nach der herkömmlichen Methode mittels Bohrer erfolgen oder aber völlig schmerzfrei mit Hilfe neuer Lasertechnik. Das Lasern führt zu einer Versiegelung des betroffenen Zahnes und zur Isolierung der Karies, die sich dann nicht mehr weiter in der Zahnsubstanz ausbreiten kann. Die Lasertechnik eignet sich aber nur für die beiden Formen der Schmelzkaries, ist bereits das Dentin angegriffen, muss die Entfernung der kariösen Läsion mit dem Bohrer erfolgen.

Anschließend wird der Defekt mit Hilfe einer Zahnfüllung versorgt. Diese stabilisiert den Zahn und stellt Kaufunktion und Ästhetik wieder her. Mittlerweile stehen diverse Füllmaterialien zur Verfügung, unter anderem verschiedene sogenannte Komposite. Jedes Bohren geht mit dem Verlust wertvoller Zahnsubstanz einher. Darüber hinaus sind die Ränder von Zahnfüllungen deutlich anfälliger für das erneute Auftreten einer Karies.

Vorbeugung

Karies ist ein sehr weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das sich aber bei Beachtung gezielter Vorbeugemaßnahmen effektiv verhindern lässt. In diesem Zusammenhang spricht man häufig von den „4 Säulen der Kariesprophylaxe“. Diese gliedern sich in folgende Bereiche: zahngesunde Ernährung, gewissenhafte Zahnpflege, stärkende Fluoridierungsmaßnahmen und zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen.

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Weitere Informationen

Übersicht: Zahngesundheit von A bis Z

Quellen/Redaktion

Autor:

Christine Yahya

Medizinisches Review:

Derzeit in Bearbeitung


Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, De Gruyter, Berlin